Öffentliche Meinung

Aus PR-Woerterbuch

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Wie der Begriff der Öffentlichkeit, so ist auch der damit verschwisterte Begriff der öffentlichen Meinung nur eher unscharf definiert. In historischer Abfolge lassen sich, vereinfacht, zumindest vier Konzepte unterscheiden:

1) öffentliche Meinung als Mythos,
2) öffentliche Meinung als wahrheitsgestählter Diskurs (Habermas)
3) öffentliche Meinung als politische Thematisierung (Luhmann) und
4) öffentliche Meinung als demoskopische Momentaufnahme (Noelle-Neumann).

Öffentliche Meinung in der Mediengesellschaft wird systemisch als neuzeitliche Struktur von Kommunikation definiert, die nicht mehr auf Wahrhaftigkeit und Realität, sondern statt dessen nur auf Unterstellung von Wahrhaftigkeit, also eben auf einer als richtig angesehenen Vermutung (Meinung) aufbaut. Die Feststellung von Wahrheit wird damit der Feststellung von öffentlichem Konsens überantwortet, die Forderung nach Wahrheit wird durch die nach Akzeptanz ersetzt. Diese Akzeptanz wird über das virtuelle soziale System Öffentlichkeit beschafft, indem das eigene Meinen sich am Meinen, was andere über das Meinen anderer meinen, was man meint, orientiert. In diesem Sinn lässt sich öffentliche Meinung wie folgt definieren:
„Öffentliche Meinung ist ein Kommunikationsprozess zur Auswahl von relevanten oder für relevant angesehenen Sachverhalten oder Problemen, die als Themen etabliert werden und zu denen vor allem durch die Medien Meinungen erzeugt werden. Die Präsentation von Meinungen in der Öffentlichkeit provoziert eine Auswahl relevanter oder für relevant gehaltener Meinungen, die von einer Mehrheit akzeptiert werden oder akzeptiert zu werden scheinen und dadurch politische Wirkungen entfalten“ (Merten 1987: 331).
[Habermas 1962; Luhmann 1970; Noelle-Neumann 1963; Merten 1987: 332ff.]

Die Funktion öffentlicher Meinung liegt demgemäß nicht in der Feststellung von Wahrheit, son¬dern in der Erzeugung von Konsensleistungen auch dann, wenn auf der Basis der zugrunde liegenden Fakten ein Konsens gar nicht möglich wäre. Genau diese Leistung ist es, die das Instrument der öffentlichen Meinung für die Politik, aber auch für Public Relations so unentbehrlich macht und die bereits in der Antike wohl bekannt war: „Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben" - das wusste schon Epiktet (50 -140 n. Chr).

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