Organisationstheorie
Aus PR-Woerterbuch
Je nachdem, ob man Organisation betriebswirtschaftlich auf ein Unternehmen bezieht oder soziologisch (und erheblich abstrakter) auf eine formale Organisation, gibt es zwei theoretische Traditionen:
Im wirtschaftswissenschaftlichen Sinn sind Organisationen in der Regel Unternehmen, also profitorientiert arbeitende Organisationen, die nach Kriterien der Gewinnmaximierung geführt werden. Entsprechende Theorien fragen daher danach, wie eine solche Organisation optimal (im Fall eines Unternehmens: bei Erzielung maximalen Profits) zu führen ist. Die Tabelle zeigt in historischer Abfolge die sieben wichtigsten Konzepte. Die Abfolge signalisiert auch, dass die strikte Gewinnorientierung – spätestens mit Aufkommen des Human Relations-Ansatzes (1939) – abgelöst wird durch Ansätze, die auch die soziale Komponente einer Organisation in Rechnung stellen. Dazu gehört natürlich in einem ganz wesentlichen Sinn auch die Entdeckung der Kommunikation: Mintzberg (1980) zeigt, dass mehr als 70% der Tätigkeit eines Managers aus Kommunikation besteht – eine Zahl, die sich bis 2003 bereits auf 90% gesteigert hat.
Der systemtheoretische Ansatz begreift Organisationen als soziale Systeme, die aus kleineren Systemen – den Kommunikationen bzw. den Interaktionen der Mitglieder einer Organisation – bestehen. Eine Organisation hat, wie alle sozialen Systeme, eine Umwelt. Ihre Funktion liegt in der Erzeugung einer spezifischen Leistung. Im soziologischen Sinn ist eine Organisationstheorie also ein Typ von Systemtheorie mit spezifischem Zuschnitt auf das Wirtschaftssystem:
„Eine Organisation (formale Organisation) ist ein sich selbst erzeugendes (autopoietisches) System, das sich über Entscheidungen differenziert und mit Entscheidungen operiert. Kennzeichen sind eine formalisierte Erwartungsstruktur (Rollen, Programme) und eine spezifische Programmierung ihres Handelns (Entscheidens)“ (Krause 1996: 136).
Führt man beide Ansätze zusammen (was sich in vorstehender Tabelle historisch bereits andeutet), so erkennt man:
Für die Ausarbeitung theoretischer Ansätze für das Management in Organisationen im Allgemeinen wird die Systemtheorie zukünftig die ergiebigste Fortentwicklung anbieten. Die Differenzierung in System und Umwelt, die aus der allgemeinen Systemtheorie stammt, lässt sich hervorragend auf das Management von Organisationen – und damit auch auf PR als Kommunikationsmanagement – anwenden. Die allgemeine Systemtheorie unterscheidet vier zueinander hierarchische Stufen von Systemen:
a) Kommunikation als kleinstes soziales System,
b) Organisationen als soziales System,
b) funktionale Teilsysteme (etwa: Wirtschaft, Politik, Recht, Bildung etc.),
d) Die Gesellschaft, also das größte System, das alle funktionalen Teilsysteme einbezieht.
Die Vorteile dieser Sichtweise:
- Alle Systeme haben die gleiche Grundstruktur (den gleichen Bauplan).
- Ein System bildet sich durch die Unterscheidung von seiner Umwelt (Differenzbildung).
- Die kleineren Systeme erzeugen die größeren Systeme.
- Die flüchtigeren Systeme (Kommunikation) erzeugen die weniger flüchtigen Systeme.
- Kausale Annahmen werden überflüssig.
Der Systemansatz ist daher sowohl für die Vorstellung von der Zusammenset-zung einer Organisation als auch für die vom Management aufzubringende Kommunikation vorteilhaft, weil er stets von einem Ganzen ausgeht und sich nicht in Einzelheiten verliert. Dieses Prinzip („Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“) ist schon seit Platon und Aristoteles bekannt. Es feierte seine Wiederentdeckung sozusagen mit dem Siegeszug der Systemtheorie. Dieses ganzheitliche Denken setzt sich vor allem in der Wirtschaft (z. B. mit Stichwörtern wie „Ganzheitliche Unternehmensführung“, „Integrales Management“, „Total Quality Management“) immer mehr durch.
Aus dieser Perspektive heraus wird auch die überragende Bedeutung der Kommunikation für Organisation und Management erst richtig verständlich: Kommunikation ist eine wesentliche Voraussetzung zum Funktionieren und Bestehen der Organisation. Das Management ist ein Teil des permanenten Kommunikationsprozesses, mit dem eine Organisation sich aufrechterhält.
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