PR-Geschichte
Aus PR-Woerterbuch
Zwar wurde der Begriff Public Relations zum ersten Mal erst Anfang des 19. Jahrhunderts von Thomas Jefferson (Dritter Präsident der USA, 1801-1809) verwendet, doch gibt es eine Fülle von historischen Erscheinungen, die heute als PR gelten würden. So kann man die 324 v.Chr. von Alexander dem Großen arrangierte Massenhochzeit von Susa (mit 20 000 Griechen und Perserinnen) als einen völkerumspannenden Akt von Political Relations anzusehen. Auch das von Cäsar gepflegte "panem et circenses" kann als Typus von Event-PR angesehen werden und das Mäzenatentum, das ebenfalls aus Rom stammt, lässt sich als Vorform des Sponsoring deuten. Der älteste Hinweis auf PR findet sich in der Formulierung von Propaganda in den Büchern Mose, der selbst als Urvater des Kommunikationsmanagements bezeichnet werden kann (Fischer-Appelt 2007 Merten 2007). Eine weitere Wurzel der PR liegt in der antiken Rhetorik. Erstmals formuliert wurde das für PR typische Prinzip, jedes Ereignis bzw. jede Handlung auf ihre Eignung für PR (Aristoteles: Überzeugung) abzuklopfen, von Aristoteles in seiner Rhetorik:
"Die Kunst der Rede besitzt, wer bei jedem Gegenstand die durch ihn möglichen Überzeugungsmittel zu überblicken weiß. Denn dafür ist keine andere Kunst zuständig, weil jede andere nur über den ihr eigenen Gegenstand lehrt und überzeugt, z.B. die Heilkunst über Gesundes und Ungesundes, die Geometrie über die Eigenschaften der Größen, die Arithmetik über die der Zahlen, und entsprechend auch die anderen Künste und Wissenschaften. Nur die Redekunst scheint imstande zu sein, sozusagen bei jedem vorgelegten Gegenstande zu überschauen, was an ihm überzeugend ist, weswegen wir auch behaupten, ihr Betätigungsfeld liege nicht auf einem eigenen, bestimmt abgegrenzten Gebiet" (Rhetorik, 1.Buch, Kap.2).
Den eigentlichen Anfang nahm Public Relations in den USA zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Die Entwicklung der Propaganda, zunächst weltanschaulich begründet, führt zur ersten PR-Phase (1850-1900), in der PR noch mit Publicity gleichgesetzt werden konnte (Grunig/Hunt-Modelle). Publicity ließ sich nicht auf Wahrheit verpflichten ("The public be fooled").
Die zweite Phase (1900-1920) wird durch Ivy L. Lee (1877-1934) begründet, der die wahrheitsgetreue Information ("The public be informed") forderte. Die dritte Phase (1920 ff.), von Grunig/Hunt (1984: 6ff.) als Phase des asymmetrischen Informationsmodells bezeichnet, wird durch Edward L. Bernays eingeleitet, der vermutlich als erster den Begriff "PR-Berater" (Counsel in Public Relations) benutzt hat.
Diese Phase ist gekennzeichnet durch den Versuch, die Öffentlichkeit nicht nur zu informieren, sondern umgekehrt auch Informationen aus der Öffentlichkeit aufzunehmen - wenngleich nicht in gleichem Ausmaß. Grunig/Hunt (1984: 6ff.) sprechen daher von einem asymmetrischen Kommunikationsmodell. Die vierte Phase (1960 ff.) wird als Phase der symmetrischen Kommunikation bezeichnet und unglücklicherweise mit dem Begriff Dialog belegt. Diese historisierende Aufteilung in Phasen sich entwickelnder Public Relations wurde später von Grunig (1992) zurückgenommen und durch ein Win-Win-Modell exzellenter PR ersetzt.
In Deutschland entwickelten sich PR - analog zu den USA - ebenfalls zuerst im Wirtschaftssystem. So gilt die Demonstration des bei Krupp hergestellten größten Stahlblocks auf der Weltausstellung in London (1851) als ein Meilenstein von PR, die sowohl als Produkt-PR als auch als Unternehmens-PR bezeichnet werden kann. 1871 wurde im Auswärtigen Amt ein "Preßdezernat" gegründet, 1893 wurde auch bei Krupp ein solches eingerichtet, 1894 wurde auf Anweisung des Admirals Tirpitz auf allen Schiffen der Marine die Position des Presseoffiziers geschaffen. Aber erst im 20. Jhdt. gab es - in der Folge des ersten Weltkrieges - eine systematische Entwicklung. Drei Namen sind hier hervorzuheben: Domizlaff, der bereits 1904 für Siemens PR machte und seine Überlegungen zur Theorie von PR unter dem Titel "Die Gewinnung öffentlichen Vertrauens" (1939) zusammenfaßte Hundhausen, der die Pressearbeit bei Krupp besorgte und 1937 versuchte, den Begriff Public Relations in Deutschland einzuführen (in: Die Deutsche Werbung, 19: 1054) und 1958 zum ersten Präsidenten der DPRG gewählt wurde. Schließlich auch Oeckl, der bis 1945 die PR bei der IG Farben betreut hatte und 1951 den Begriff Public Relations mit "Öffentlichkeitsarbeit" übersetzt und hoffähig gemacht hatte. [Nöthe 1995: 67-119 Grunig/Grunig 1992: 285-325]
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