Systemtheorie

Aus PR-Woerterbuch

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Theorie selbststeuernder Systeme. Typisches Kennzeichen von Systemen ist ihre wie im Einzelnen auch immer zu definierende Geschlossenheit, die durch die prinzipielle Selbstreferenz (RĂŒckkopplung, Feedback, ReflexivitĂ€t, ZirkularitĂ€t) zustandekommt.

Das Urmodell aller Systemtheorie ist die Dialektik, denn dort wurde das Prinzip rekursiven Handelns zuerst eingefĂŒhrt. AnfĂ€nge der Systemtheorie finden sich in der Theorie des Organismus als geschlossenes System. Die Analogie von Organismus und Gesellschaft findet sich schon bei Comte („Gesellschaft als Organismus“). 1935 entwickelt Henderson unter RĂŒckgriff auf das organische System der Biologie den Begriff des sozialen Systems, der dann vom Soziologen Talcott Parsons (1951) zu einer allgemeinen Theorie sozialer Systeme erweitert wird. Etwa zur gleichen Zeit prĂ€gt der Mathematiker Wiener (1948) den Begriff Kybernetik fĂŒr eine Theorie selbststeuernder Maschinen. Wiener erkannte aber bereits, dass auch biologische oder sogar soziale Gebilde als System zu begreifen sind.

1956 entwickelt der Mikrosoziologe Goffman (1956) erste Überlegungen, Kommunikation als kleinstes System zu beschreiben. Ab 1968 entwickelt Niklas Luhmann, in Abkehr von der strukturell-funktionalen Theorie sozialer Systeme von Parsons eine funktional-strukturelle Theorie sozialer Systeme, die drei Typen reflexiver Struktur spezifiziert, die Luhmann als Grundvoraussetzung fĂŒr die Entstehung aller höheren sozialen Leistungen begreift, nĂ€mlich zeitliche, sachliche und soziale ReflexivitĂ€t. Die Theorie von Luhmann betont die Bedeutung der Funktion und wird spĂ€ter von ihm zu einer Theorie autopoietischer, geschlossener Systeme erweitert. ZusĂ€tzlich wird sie als Sonderfall einer allgemeinen Differenztheorie identifiziert (Luhmann 2003). Die entscheidenden Vorteile, Kommunikation als System zu begreifen, sind:

1) FĂŒr den Beginn oder das Ende von Kommunikation mĂŒssen keine kausalen Annahmen mehr gemacht werden
2) Kommunikation wird als autonomer, von seinen Kommunikanten relativ unabhÀngiges System erkannt und analysiert
3) Die Leistung der Erzeugung und Aufrechterhaltung grĂ¶ĂŸerer sozialer Systeme durch Kommunikation wird sichtbar und kann ausgewiesen werden.

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