Wahrheit

Aus PR-Woerterbuch

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Wahrheit ist umgangsprachlich die Übereinstimmung von Aussagen über Aspekte der Wirklichkeit (etwa: „Draußen regnet es“) mit der Wirklichkeit selbst, was sich in aller Regel überprüfen lässt. Theoretisch ist Wahrheit dagegen weit weniger gut definiert. Die wichtigsten Ansätze sind:

a) Die Konsenstheorie der Wahrheit
Sie ist in der Politik zu Hause: Hier gilt Wahrheit als das, was Konsens ist. Oder pragmatisch: In der Politik geht es um Mehrheiten, nicht um Wahrheiten.
b) Die Konsequenztheorie der Wahrheit
Sie sieht Wahrheit in dem Maß als gegeben an, wie deren Feststellung sich als praktisch erweist. Sie ist daher erwartbar ebenfalls politisch eingefärbt und wird vor allem im Kommunismus herangezogen: Wahrheit ist für ein bestimmtes Kollektiv das, was jeweils nützlich für dieses Kollektiv ist.
c) Die Kohärenztheorie der Wahrheit
Sie ist ist eine Theorie der Logik, derzufolge etwas wahr ist, wenn es im Zusammenhang mit anderen, schon akzeptierten Wahrheiten kohärent dargestellt werden kann.
d) Die Korrespondenztheorie
Sie ist die anspruchsvollste Theorie, weil sie die Feststellung von Wahrheit als eine Form der Übereinstimmung von semantischen Feststellungen und empirischen Gegebenheiten definiert, als Vergleich und damit als Differenzbildung. In konstruktivistischer Perspektive sieht man natürlich sofort den Pferdefuß: „Übereinstimmung von semantischer Feststellung von etwas“ ist ja nichts anderes als der Versuch, einen Typus von Objektivität zu definieren, der überhaupt nur in dem Maß gelingen kann, wie empirische Gegebenheiten sowohl genügend präzise als auch genügend viabel definiert werden können.
e) Widerspiegelungstheorie
Keinesfalls besser sieht es mit der Widerspiegelungstheorie aus, die Wahrheit als Abbild der Wirklichkeit bezeichnet. Diese Problematik hat, wie wir wissen, zunächst in der theoretischen Physik, dann in der empirischen Sozialforschung, zur Substitution deterministischer durch probabilistische Wahrheitsfeststellung geführt. Für Kommunikation ist eine solche quantifizierende Betrachtungsweise dagegen nicht möglich.

Wir definieren daher die Wahrheit einer Aussage hilfsweise als Geltungsanspruch dieser Aussage, der im Vergleich zu einem an der Wirklichkeit definierten viablen Objektrahmen erzielt werden kann. Wahrheit ist, mit anderen Worten, letztlich immer nur ein Fall von Konsens, ein in Grenzen der Intersubjektivität feststellbarer gradueller Zustand, dessen Ausmaß zudem von der Wahrheit (Evidenz) der angelegten Kriterien abhängt, also wieder auf andere Wahrheiten rekurriert.

Eine Unwahrheit ist dann eine Aussage, deren Geltungsanspruch, bezogen auf einen definierten Objektrahmen, nicht besteht, wobei der Kommunikator selbiger dies wissen kann oder eben nicht. Im ersten Fall sprechen wir von Irrtum, im zweiten Fall von Täuschung. Nimmt der Kommunikator diese Täuschung bewusst vor und verbalisiert sie, sprechen wir von Siehe hierzu: Lüge.

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